Donaumetropole Wien

Es gibt wohl keine andere Stadt in Europa, die derart klischeeüberladen ist wie Wien: die Besucher erwarten eine Art riesiges Museum, in dem ständig Walzerklänge ertönen, die Wiener Sängerknaben singen und man zwischen Sachertorte und Heurigem hin und her gerissen wird. Soweit die gängigen Vorurteile zu dieser Stadt. Zugegeben, Wien hat etwas Gemütliches und Behäbiges in seinem Erscheinungsbild und der eher schlendernden Hektik dieser Millionenstadt an der Donau. Doch sollte man deshalb nicht annehmen, dass in der österreichischen Hauptstadt nur Kaffeehausbesuche, literarische Diskussionen und Volksfest im Prater zur Tagesordnung gehören – weit gefehlt.

Gerade in der Medizin, Psychologie und dem Sozialwesen wurden in Wien enorme Leistungen erbracht, die ihren Siegeszug um die ganze Welt antraten. Was die Musik für Wien bedeutet, muss nicht weiter ausgeführt werden; ob Mozart, Schubert, Mahler und die Strauß-Dynastie, um nur einige wenige zu nennen, sie alle haben Wien mit ihren Werken nachhaltig geprägt – oder wurden von Wien zu ihren Schöpfungen inspiriert.

Wiens beeindruckendes architektonisches Erscheinungsbild ist ebenso grandios wie die Umgebung der Stadt lieblich und naturbelassen. Ob man sich nach einem intensiven Besichtigungsprogramm zur Erholung in den Wienerwald oder die sanften Hängen und Auen begibt, ist Geschmackssache und auf jeden Fall ein herrlicher Kontrapunkt zu dem monumentalen Stadtbild. Doch auch Wien hat seine verschwiegenen Winkel, die mit oft bäuerlich anmutenden Gässchen und Winzerhäusern die noch wenige Straßen zuvor erlebte Pracht der Metropole für den Moment ad absurdum führen.

Wien ist in jeder Beziehung vielfältig, sei es in seinem Erscheinungsbild, seiner Mentalität oder dem bunten Völkergemisch wohnhaft in den Hostels in Wien, das noch immer den Charme dieser bezaubernden Stadt ausmacht. Hier herrscht noch die gastfreundliche Devise “leben und leben lassen”, die den Besucher nicht außen vor lässt, sondern ihn sofort integriert und mit offenen Armen willkommen heißt. Dass die Wiener selbst ein ambivalentes Verhältnis zu ihrer Stadt haben, mögen die Worte Hermann Bahrs liebevoll zum Ausdruck bringen: “Hört man den Wiener, so muss hier zu leben ein Fluch sein. Aber keiner wandert aus.”