Burgtheater

Von den Wiener kurz “die Burg” genannt, zählt das Theater am Dr.-Karl-Lueger-Ring zu den ältesten und berühmtesten Bühnen der Welt. Seinen ursprünglichen Sitz hatte das Burgtheater in einem alten Ballsaal am Michaelerplatz, bis es 1888 in einen von Gottfried Semper und Karl von Hasenauer errichteten und der Dresdner Semperoper nachempfundenen Bau im Stil der italienischen Hochrenaissance einziehen durfte.

Mehrere Brände, zuletzt brannte das Theater im April 1945 aus, erforderten jeweils umfangreiche Neugestaltungen. Doch Gottfried Semper prägte bereits zu seiner Zeit das Bonmot, wonach jedes Theater nach 60 Jahren umgebaut werden müsse oder abbrenne.

Das Burgtheater hat neben seinem hohen künstlerischen Anspruch und der prächtigen Ausstattung noch eine weitere Besonderheit aufzuweisen. So standen die Schauspieler als kaiserliche Beamte stets unter dem persönlichen Schutz der Habsburger, was ihnen auch eine besondere gesellschaftliche Stellung einbrachte. Etwas skurril mutet das noch heute bestehende “Vorhangverbot” an: die Schauspieler dürfen sich als Staatsbedienstete nach dem Ende der Vorstellung nicht vor dem Publikum verbeugen, was ihnen zwar dennoch Applaus einbringt, sie jedoch vor eventuellen öffentlichen Missfallenskundgebungen schützen soll. Der Spielplan des Theater von Wien war zu kaiserlichen Zeiten vom klassischen Repertoire und dem gehobenen Boulevard geprägt. Es musste den Herrschern gefallen und der Kirche nicht ins Handwerk pfuschen. Die Wiener liebten ihr Burgtheater, selbst wenn sie es noch nie von innen gesehen hatten. Eine Schauspielerin brachte es Ende des 19. Jahrhunderts fertig, neben ihrem Engagement am Theater noch als langjährige “Gesellschafterin” des Kaisers zu fungieren. Ob Katharina Schratt wirklich die Geliebte Franz Joseph I. war, ist eine heute noch lebhaft diskutierte Streitfrage.