Heuriger

Ein “Heuriger” ist ein junger Wein, der bis zum 11. November des Folgejahres so genannt werden darf. Doch der Heurige in Wien ist noch viel mehr als nur der frische und geschmacklich noch relativ grüne Rebensaft; unter dem Heurigen versteht man eine Lebens- und Genussphilosophie, die verbunden mit geselligem Beisammensein bei Schrammelmusik bis zur höchsten Glückseligkeit führen kann. Ein Heuriger ist jedoch auch ein Weinlokal, in dem der Wein der letzten Ernte, eben jener Heuriger, ausgeschenkt wird.

Diese etwa 800 Jahre alte Tradition wird heute noch mit großem Fleiß und ausgeprägtem Geschäftssinn gepflegt. In den Wiener Vororten Grinzing, Nussdorf, Sievering und Heiligenstadt reiht sich ein Heurigenlokal an das andere. Man erkennt diese meist rustikal eingerichteten Lokalitäten an den grünen Föhrenzweigen, die über dem Eingang hängen. Wo ein “Buschen” hängt, verhungert und verdurstet man nicht.

Was früher noch relativ einfache Besenwirtschaften mit ein oder zwei kalten Speisen waren, hat sich in den letzten Jahrzehnten zur rustikal-romantischen Touristen-Weinseligkeit gemausert. In manchen Heurigenlokalen fallen die Besucher gleich in ganzen Busladungen ein, werden dort abgefüllt und abgefüttert und verlassen in relativ kurzer Zeit die gastliche Örtlichkeit wieder. Wer dies nicht mag, sollte besonders Grinzing meiden und dafür in weniger frequentierte Weinorte wie Nussdorf ausweichen. Der Weg dahin ist zwar etwas weiter, doch die Stimmung dafür auch gemütlicher. Viele Lokale bieten zum Heurigen neben den traditionellen kalten Speisen auch ein umfangreiches Angebot an warmen Gerichten. Gewürzt mit original Wiener Schrammelmusik, kann eine solche “Heurigenpartie” durchaus zu einem wilden Gelage ausarten, was sowohl die Wirte als auch die Möbel der Buschenschänken durchaus gewohnt sind.