Kaffeehäuser

Ein Besuch im Kaffeehaus ist für die Wiener so unverzichtbar wie das tägliche Brot. Ob im Demel, Landtmann, Bräunerhof, Diglas oder in vielen anderen Wiener Cafés, hier muss man gewesen sein, um der Lebensart der Donaumetropole ein Stück näher zu kommen. Die Entstehung der Wiener Kaffeehäuser beruht wie so vieles auf einer Legende. Während der zweiten Türkenbelagerung Wiens im Jahr 1683 soll ein Kaufmann mit Kenntnissen der türkischen Sprache als Spion für den Kaiser gearbeitet haben und für seine Dienste neben Geld auch mit von den Türken hinterlassenen Säcken voller unbekannter grüner Bohnen entlohnt worden sein.

Der Mann kannte sich offenbar aus, röstete die Bohnen, sicherte sich dabei gleich das Privileg des Kaffeesiedens und begründete die Wiener Kaffeehaustradition. Andere Meinungen behaupten zwar, dass die Italiener den Kaffee nach Wien brachten, doch sicher ist, dass Kaffeetrinken zum Trend wurde. Bereits 1804 gab es 90 Kaffeehäuser, in denen die Wiener ihren geliebten starken, braunen und vor allem heißen Trank schlürfen konnten.

Dabei ist Kaffee nicht gleich Kaffee. Vom Einspänner zur Melange über den Großen Braunen bis hin zum Kleinen oder Großen Schwarzen geht die Palette der Kaffeespezialitäten. Diese Köstlichkeiten schätzten auch die Literaten Wiens zu allen Zeiten. Manche hielten sich so häufig in den Kaffeehäusern auf, dass man meinen konnte, sie wohnten darin. Die in Kaffeehäusern entstandenen Werke sind schon legendär: von der “Fackel”, der 1899 gegründeten Literaturzeitschrift über Dramen, Gedichte und Sprüche bis zu mehrbändigen Romanen wurde in den Cafés Literaturgeschichte geschrieben. Hugo von Hoffmannsthal oder Anton Kuh erhoben das gesellschaftliche Leben im Kaffeehaus zum Thema ihres schriftstellerischen Schaffens. Auch Literatenzirkel, in denen eifrig und sehr kontrovers diskutiert wurde, hatten ihre Stammtische in den Kaffeehäusern. So galt das Café “Central” bis zum Ende des Ersten Weltkriegs als “der” Wiener Literatentreff schlechthin. Doch auch ohne diese illustren Stammgäste ist ein Besuch im Kaffeehaus heute immer noch ein Erlebnis der ganz besonderen Art – Wiener Lebensart eben.