Leopoldstadt

Hier entstand das Wohnviertel der jüdischen Gemeinde, nachdem sie 1624 von Ferdinand II. aus der Wiener Innenstadt vertrieben wurde. Nach der Vertreibung der Juden aus Wien im Jahr 1670 durch Leopold I. erhielt dieser Stadtteil den Namen Leopoldstadt. Nach und nach siedelten sich wieder jüdische Familien dort an, die überwiegend aus dem osteuropäischen Raum nach Wien einwanderten. Österreichs Hauptstadt erhielt viele wirtschaftliche und kulturelle Impulse von seiner jüdischen Gemeinde, bis diese nach dem Anschluss des Landes an Nazideutschland ein jähes Ende fand.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen allmählich die wenigen Überlebenden zurück, denen sich Auswanderer aus Polen, Russland und dem Baltikum anschlossen, so dass die Leopoldstadt heute wieder von jüdischer Alltagskultur und der für ihre Bewohner typischen Einrichtungen wie Synagogen, koscheren Metzgereien und Gebetsräumen geprägt wird.

Besonders das Labyrinth aus kleinen Gassen zu beiden Seiten der Taborstraße lässt die einstige Geschäftigkeit jüdischen Lebens vor der Vertreibung erahnen. Doch die Leopoldstadt hat noch einiges mehr zu bieten wie zum Beispiel die Johann-Strauß-Gedenkstätte. Hier wohnte und komponierte Wiens berühmter “Walzerkönig” von 1863 bis 1870. Während der Besichtigung der mit Ölgemälden, Fotos und Musikinstrumenten ausgestatten Räumen erklingt Österreichs “heimliche” Nationalhymne “An der schönen blauen Donau”. Weniger walzerselig, dafür gruselig bis grausam präsentiert sich das Kriminalmuseum. Vom Mittelalter bis in die jüngste Vergangenheit werden hier die grausigsten Verbrechen nachgestellt und sehr detailliert beschrieben. Zu den etwas makabren Exponaten zählen auch die Totenschädel und -masken von hingerichteten Verbrechern.
Ein Spaziergang durch den Augarten und eine Führung durch die gleichnamige berühmte Wiener Porzellanmanufaktur beruhigt die aufgewühlten Gemüter ebenso wie ein Besuch bei den Wiener Sängerknaben, die hier wohnen, sofern sie sich nicht gerade auf Tournee befinden.