Ringstraße

Einmal über die Ringstraße zu bummeln gehört ebenso dazu wie ein Besuch des Pariser Eiffelturms oder des Towers in London. Der “Ring” ist das Wiener Symbol für imperiale Prachtentfaltung in punkto Architektur. Kaiser Franz Joseph I. ließ ab 1860 die ehemaligen Befestigungsmauern schleifen und darauf den berühmten Boulevard errichten, der Wien endgültig zu Glanz und Ansehen verhalf. Die etwa viereinhalb Kilometer lange Prachtstraße umfasst das historische Zentrum Wiens und damit auch die wichtigsten Repräsentationsbauten der Stadt. Es herrschte allgemeine Aufbruchstimmung in der sogenannten “Gründerzeit”.

Plötzlich fühlten sich nicht nur Wohlsituierte vom Bau- und Spekulationsfieber erfasst, auch das bisher so biedere Bürgertum wagte das ein oder andere Risiko, das für manchen erfolgreich, für andere jedoch katastrophal endete. Doch dies alles tat dem Bauboom rings um die Ringstraße keinerlei Abbruch.

Von der Urania mit ihren Vortrags- und Kinosälen über das Regierungsgebäude am Postsparkassenamt vorbei gelangt man über die Hochschule für angewandte Kunst zu dem als Palais erbauten Hotel Imperial, der feinsten und teuersten Adresse für Besucher der Donaumetropole. An der Kunstakademie entlang, dem Kunsthistorischen und Naturhistorischen Museum bis zum beeindruckenden Denkmal Maria Theresias, einem 44 Tonnen schweren Ungetüm aus Bronze, führt der Weg zum Äußeren Burgtor der Hofburg. Weiter geht’s zum Parlament und über Volksgarten und Rathauspark zum Rathaus, von hier zur Universität und schließlich zur Votivkirche, in der man sich ein wenig von dem anstrengenden Rundgang erholen kann. Diese Kirche wurde anlässlich eines gescheiterten Attentats auf den jungen Kaiser Franz Joseph errichtet. Die Finanzierung für diese einzigartige Kirche übernahm übrigens die Gemeinde Wien. Die Weihe des Gotteshauses wurde zusammen mit der Silbernen Hochzeit des Kaiserpaares nach 23-jähriger Bauzeit gefeiert.

Ein Spaziergang auf der Ringstraße ist gleichzeitig ein Rundgang durch die verschiedenen Baustile Wiens im 19. Jahrhundert: von der Neogotik zum frühen Jugendstil repräsentiert die stolze Straße die letzten imperialen Glanzzeiten der Stadt auf beeindruckende Weise.