Sisi

Was wäre die ganze Habsburger Prachtentfaltung ohne eine Leitfigur? Glücklicherweise kam eine solche in Person der 16-jährigen bayrischen Prinzessin Elisabeth 1854 nach Wien, wo sie Kaiser Franz Joseph I. heiratete. Die blutjunge Kaiserin, die von ihrer Familie liebevoll “Sisi” genannt wurde, war ganz und gar nicht für die strenge und blutleere Etikette des in der Hofburg herrschenden Spanischen Hofzeremoniells geschaffen.

Als Naturkind aufgewachsen und keinesfalls an die Aufmerksamkeit gewohnt, die man ihr als erste Frau des Landes zukommen ließ, eckte Sisi überall an, vor allem bei ihrer herrischen Schwiegermutter. Nachdem sie pflichtgemäß drei Kinder zur Welt gebracht hatte, riss sie aus, wann immer sie konnte. In der Hofburg oder in Schloß Schönbrunn hielt sie sich nur auf, wenn es sich nicht vermeiden ließ, was für ihren Geschmack viel zu oft der Fall war. Reisen nach Griechenland, Madeira, England, Irland, Spanien oder Frankreich verschafften ihr die Luft zum Atmen, die sie in Wien nicht zu haben glaubte.

Ihre Fluchten, ihr Schönheitskult, der sich in ständigen Diäten und Bewegungsdrang äußerte und ihre Menschenscheu machten es den Wienern schwer, ihre Kaiserin zu lieben. Mit zunehmendem Alter zog sich Sisi immer mehr von der Öffentlichkeit zurück, bis sie sich nach dem Selbstmord ihres einzigen Sohnes Rudolf im Jahre 1889 fast nirgendwo mehr sehen ließ. Dennoch war es für die Österreicher ein Schock, als die Kaiserin 1898 mit 61 Jahren in Genf von einem italienischen Attentäter mit einer Feile erstochen wurde. Jetzt erst konnten die Wiener sie so verehren, wie Sisi es zu ihren Lebzeiten nie gestattet hätte. Ihr Mythos lebt weiter und findet noch immer seinen Ausdruck in Filmen, Büchern, Musicals und zahlreichen Andenken.

Im Wiener Volksgarten setzte Franz Joseph seiner Gattin ein schlichtes und doch treffendes Denkmal: schön und zerbrechlich zugleich schaut Sisi von ihrem Sockel herunter, umgeben von unzähligen Rosenbüschen, ihren Lieblingsblumen.