Zentralfriedhof

Die Namen auf den Grabstätten dieses riesigen Friedhofs lesen sich wie das “Who’s Who” der Wiener Gesellschaft. Auf einem der größten und berühmtesten Friedhöfe Europas liegt die Crème de la Crème des österreichischen Adels, von Politik, Kunst und Wissenschaft begraben. In Simmering, einem 1892 eingemeindeten Außenbezirk Wiens, liegt diese Totenstadt, die seither stets erweitert und mit zusätzlichen Leichenhallen versehen wurde.

Man sagt, dass das zweieinhalb Quadratkilometer große Gelände doppelt so viele “Einwohner” zählt wie das lebendige Wien. Berühmt wurde der Friedhof nicht zuletzt dadurch, dass 1881 eine Abteilung mit Ehrengräbern eingerichtet wurde, in der eben nur wichtige Persönlichkeiten die letzte Ruhe finden sollten. Von den etwa 500 prominenten Toten seien die Komponisten Beethoven, Brahms, Schubert, Strauß (Vater und Sohn), ferner Helmut Qualtinger, Curd Jürgens, Theo Lingen und Hans Moser und nicht zuletzt Falco genannt.

Besonders an Allerheiligen, dem traditionellen Totengedenktag, wird der Zentralfriedhof zu einer wahren Pilgerstätte für Angehörige und sonstige Friedhofsbesucher. Für das leibliche Wohl der Trauernden oder müßig Schlendernden ist bestens in den großen Gasthöfen rund um das Friedhofsareal gesorgt. Viele Besucher zieht auch die Dr.-Karl-Lueger-Gedächtniskirche an, die eines der bedeutendsten Jugendstilbauwerke Wiens darstellt. Interessante Einblicke erhält man in der Alten israelischen Abteilung des Friedhofs sowie auf dem Neuen Jüdischen Friedhof. Hier liegen die Schriftsteller Friedrich Torberg und Arthur Schnitzler begraben, hier findet man auch umgeworfene Grabsteine, die als stumme Mahnmale die antisemitische nationalsozialistische Vergangenheit Wiens dokumentieren.
Für die Wiener ist ein Friedhofsbesuch ebenso selbstverständlich wie für andere Menschen ein Spaziergang im Park. Wer das Naturell dieser eigenwilligen Bewohner der Donaumetropole kennt, versteht auch deren ganz spezielle Einstellung zum Thema Tod.